Im Schwarzwald
Im Schwarzwald wohnt ein leiser Wind,
der kämmt die Tannen sacht.
Er flüstert jedem Waldkind
ein Gutenacht-Gutenacht.
Die Bäche tragen Silber
in kleinen, klaren Schuhn,
sie tanzen über Kiesel
und wollen niemals ruhn.
Ein Reh hat heut gelächelt,
so schüchtern wie ein Traum,
als hätte es ein Geheimnis
vom ältesten der Bäum.
Die Uhren ticken Märchen,
die Zeit geht hier im Kreis,
und jeder Schritt wird leichter,
weil Moos den Weg gut weiß.
Der Mond hängt wie ein Löffel
im Nachttopf voller Licht,
und rührt die stillen Wälder
zu einem Schlafgedicht.
So nimm ein Stück vom Dunkel,
ein Funkeln Tannengrün —
der Schwarzwald gibt dir heimlich
ein Herz voll Ruh dazu
C5BO (gehört nicht zu meinen Lieblingsgedichten, aber von KI erzeugt, ist doch auch was)
Herz und Auge
Solange Herz und Auge offen.
Um sich am Schönen zu erfreun.
Solange darf man freudig hoffen.
Wird auch die Welt vorhanden sein.
Wilhelm Busch
Das Wanderjahr
Ich freu’ mich auf die Wanderzeit,
wenn’s draußen dicke Flocken schneit,
da denk ich an den Frühling.
Wenn alles wieder grünt und blüht
und laut ertönt der Vögel Lied,
freu ich mich auf den Sommer.
Wenn’s dann so richtig heiß und schwül
und nur im Waldesschatten kühl,
dann lässt der Herbst mich lachen.
Die Blätter lösen sich vom Baum,
das Leben ist ein bunter Traum –
der Winter wird bald kommen.
Doch ob das Wetter kalt, ob heiß,
ob Regen, Wind, ob Schnee, ob Eis:
Ich freu’ mich auf das Wandern.
Ursula Kaufmann
Das Samenkorn
Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,
die Amsel wollte es zerpicken.
Aus Mitleid hat sie es verschont
und wurde dafür reich belohnt.
Das Korn, das auf der Erde lag,
dass wuchs und wuchs von Tag zu Tag.
Jetzt ist es schon ein hoher Baum
und trägt ein Nest aus weichem Flaum.
Die Amsel hat das Nest erbaut;
dort sitzt sie nun und zwitschert laut.
Joachim Ringelnatz
Gedicht für jeden Tag
Jeder wünscht sich jeden Morgen
irgendetwas - je nachdem.
Jeder hat seit jeher Sorgen,
jeder jeweils sein Problem.
Jeder jagt nicht jede Beute.
Jeder tut nicht jede Pflicht.
Jemand freut sich jetzt und heute.
Jemand anders freut sich nicht.
Jemand lebt von seiner Feder.
Jemand anders lebt als Dieb.
Jedenfalls hat aber jeder
jeweils irgendjemand lieb.
Jeder Garten ist nicht Eden.
Jedes Glas ist nicht voll Wein.
Jeder aber kann für jeden
jederzeit ein Engel sein.
Ja, je lieber und je länger
jeder jedem jederzeit
jedes Glück wünscht, umso enger
leben wir in Ewigkeit.
James Krüss
Der Schwarzwald
Wo der Rhein in weitem Bogen um das alte Zehntland fliesst,
Steht ein Jugendfreund am Wege, den er in die Arme schliesst;
Schwarzwald heisst der Weggeselle, dunkelhaarig, still von Art,
Und ein gutes Stück zusammen rauschen Beide, treugepaart.
Zu dem grünen Eck des Stromes hebt, ihr Grüße, euch bergan!
Vater Rhein! auch andern Leuten hat´s der Dunkle angethan!
Wer im Bannkreis diese Berge einmal recht gewandert ist,
Den erfasst ihr starker Zauber, dass er nimmer sie vergisst.
Und es zieht ein Hauch von Tannen durch sein Herz für alle Zeit,
Wie ein stilles Heimgedenken gibt der Harzduft ihm Geleit,
Und des Hochwald wogend Brausen und der Bergwelt Sonnenschein
Folgen ihm in alle Ferne bis in seinen Traum hinein.
Reich der Tannen, Land der Quellen! Donauwiege! Rheinesmark!
Mit den dunklen Bergseeaugen, mit dem Nacken felsenstark,
Mit den tiefzerriss´nen Thälern, mit den weiten freien Höh´n,
Mit den weissen Wasserstürzen, mit der Matten Herdgetön!
Freundlich schmiegen sich die Dörflein, blinkt vom Berg das Schindeldach,
Und die schmucken Städte glänzen, und es mahlt und sägt der Bach,
Aus Ruinen schaut die Sage träumerisch von steiler Wand,
Fern im Forste klingt der Axtschlag, Abendroth fliesst übers Land.
Heil dir immergrünes Hochland! Starrst du jetzt auch tiefverschneit,
Hat mit Wundern doch umwoben dich die heil´ge Weihnachtszeit;
Heimlich klingt es durch des Tannwald´s glitzernd eisverbrämte Pracht
Und aus tausend kleinen Fenstern strahlt es in die Winternacht,
Unter schneebedecktem Strohdach, hoch am Berg und tief im Thal,
Ist der Christbaum angezündet, als der Sonnwendnach Fanal,
Tausend kleine Alemannen jubeln in den Glanz hinein,
Der des Schwarzwald´s jungen Tannen hell entströmt, wie Heil´genschein.
Wer in sommerlichen Tagen einst gewandert durch das Land,
Nimmt an stillem Winterabend diese Blätter gern zur Hand,
Und das Schifflein der Erinn´rung hisst die Segel und wird flott,
Aus den braunen Sonnenbildern rauscht der Schwarzwald sein „Grüssgott“
Karlsruhe im Dezember 1893
Robert Haass
Ich möcht gern Wanderführer sein
Stoßseufzer eines Leidgeplagten
Ein jeder Mensch in seinem Leben
Möchte gern nach etwas Höh’rem streben
Und hegt im Herzen einen Traum,
doch Wirklichkeit wird der meist kaum.
Mein Wunsch ist, das gesteh ich ein:
Ich möchte gern Wanderführer sein.
Als Wanderführer, ohne Witze
bin ich ganz sicher große Spitze.
Ich wär der Wandergruppe Herr
zu sagen hätt sonst niemand mehr.
Mit Wimpel und mit Ehrenzeichen
Könnt keiner mir das Wasser reichen.
Ich würd an allen Wandertagen
Den Trupp früh aus den Betten jagen.
Ich sag, wohin es gehen muss,
wär immer vorn und nie am Schluss.
Und fiel mir noch ein Umweg ein,
es müssten alle hintendrein.
Das Tempo, das wär meine Sache.
Ich nähm sie tüchtig in die Mache,
würd möglichst steil bergauf sie jagen,
nicht lang nach ihren Wünschen fragen,
geböte Rast zur Frühstückspause,
gäb das Signal zur Pinkelpause.
Ich würde große Reden schwingen,
auch alle mal zum Singen bringen,
natürlich alles besser wissen:
Kritik wird man verkneifen müssen.
Ich gäbe alles dafür her,
wenn ich mal Wanderführer wär.
Das war’s, was früher ich mal dachte.
Doch seit ich die Erfahrung machte,
was hinter mir sich alles tut,
verlässt mich aller Führermut.
Ich frage mich: Wie konnte mein
Idol nur Wanderführer sein?
Denn welches wirklich schwere Los
hat so ein Wanderführer bloß!
Ganz vorneweg, in allen Fällen,
muss gutes Wetter er bestellen.
Und ist es dann zu kalt, zu heiß,
ist er dran Schuld, wie jeder weiß.
Der Weg, das wichtigste Problem,
sei eben stets und recht bequem.
Weich sei der Boden, ohne Steine,
ein Labsal für die Wanderbeine.
Muss wirklich man mal auf Asphalt,
macht man den Wanderführer kalt.
Ein Führer soll es nie probieren,
den Weg zu steil bergauf zu führen,
auch nasse Wiesen soll er meiden,
zu lange Kurven möglichst schneiden.
Und geht es gar ins Dunkle rein
möcht ich nicht Wanderführer sein.
Wie halt ich nur den Zeitplan ein?
Das Tempo soll gemächlich sein,
man will mal links, mal rechts was sehen,
und bleibt auch mal einfach stehen.
Egal, ob Wirt, ob Führung wartet,
der Gruppentrott ist abgekartet.
Nur wenn die Sportschau rückt heran,
fängt mancher Fan zu rennen an.
Die einen sind nicht mehr zu stoppen,
die andern tut das mächtig foppen.
Versucht der Führer jetzt zu schlichten,
wird aller Frust auf ihn sich richten.
Auch das Problem der Übernachtung
verdient besondere Beachtung.
Ein jeder will sein Einzelzimmer,
mit Dusche, Klo und Fernsehflimmer.
Natürlich muss es billig sein,
bei Ärger springt der Führer ein.
Ich stelle resignierend fest:
Ich halt nicht durch den Führertest.
Man wünscht sich einen Wunderknaben,
indes, ich hab nicht diese Gaben.
Drum lass ich andere Führer sein
und latsche lieber hinterdrein.
Autor unbekannt
