ACHTUNG, nichts auf dieser Seite ist real, schön ist es trotzdem, finde ich
SARURN TREK II
Rückreise zur ERDE, eine ungewöhnliche Reisegeschichte
Drei Wochen auf dem Saturn verändern den Blick auf vieles. Auf Entfernungen zum Beispiel. Auf Zeit. Und auf das eigene Alter. Die kleine Gruppe älterer Wanderer hatte auf den Ringen des Planeten Dinge gesehen, die sich nicht mehr in Worte pressen ließen. Glühende Horizonte, lautlose Stürme, ein Licht, das selbst Erinnerungen zum Schimmern brachte. Nun war man auf dem Heimweg. Die Erde lag noch fern, doch Mars war bereits als rötlicher Vorbote im Schwarz des Alls zu erkennen.
Das Raumschiff glitt ruhig dahin, fast gemächlich, als hätte auch das Schiff etwas von der Gelassenheit seiner Passagiere angenommen. Der Captain, ein breitschultriger, erfahrener Mann, dessen Rücken mehr Geschichten kannte als sein Gesicht verriet, stand wie so oft am vorderen Sichtfenster. Er sagte selten viel. Aber wenn er etwas sagte, dann hörte man zu.
Und dann geschah es. Ein alter Satellit, ein Relikt aus einer Zeit, in der man offenbar noch glaubte, der Weltraum sei aufgeräumt wie ein Werkzeugkasten, kreuzte den Kurs. Keine Explosion, kein dramatischer Einschlag. Nur dieser Moment, in dem alles gleichzeitig zu nah war. Das Ausweichmanöver gelang, doch ein Triebwerk quittierte seinen Dienst. Der Captain fluchte nicht. Er nickte nur knapp, als hätte er mit so etwas gerechnet. Der Mars kam näher.
Auf dem Mars, so sagt man, gibt es alles nur keine Fragen nach der Vergangenheit. Besonders nicht in den Werkstätten draußen im Outback. Halb-legal nennt man sie wohlwollend. Andere nennen sie anders. Die Wanderer lernten schnell: Wer hier repariert, fragt nicht, woher man kommt. Und man fragt besser nicht, woher die Arbeiter kommen.
Die Werkstatt lag wie ein rostiges Versprechen in der Nacht. Roter Staub, rote Luft, rote Schatten. Fremdartige Silhouetten bewegten sich zwischen Hebebühnen, auf denen Raumschiffe standen wie kranke Tiere. Das eigene Schiff wurde hereingezogen, begutachtet, kommentarlos angefasst. Metall auf Metall, ein dumpfes Hämmern, ein kurzes Aufflackern von Schweißlicht.
Hier gehörte man nicht hin. Das wusste jeder. Und doch blieb man.
Die Reparatur würde dauern.
Einige der Wanderer, jene, die sich auf dem Saturn noch am mutigsten gezeigt hatten, beschlossen, dass Stillstand keine Option sei. San Deserti, die nahe Wüstenstadt, leuchtete abends wie ein Versprechen aus Glas und Neon. Am ersten Abend nahmen sie den Gelände-Bus. Eine gute Idee, dachte man. Bis der Bus in jedem Vorort hielt, jede Ansammlung von Gebäuden ehrte und offenbar niemandem die Eile gönnte. Die Rückkehr war spät, aber nicht unerquicklich.
Am nächsten Tag fuhr man Zug. Der Zug war schneller, entschlossener. Er schnitt durch die staubige Marsdämmerung, während die roten Hügel im Hintergrund verschwammen. „Wenn schon gestrandet, dann stilvoll“, meinte einer, der sonst wenig sagte. Man lachte. Urlaub war schließlich Urlaub, auch wenn er ungeplant verlängert wurde.
San Deserti war ein seltsamer Ort. Spielcasinos warfen Licht in den roten Staub, Achterbahnen zeichneten Linien gegen den Abendhimmel. Von oben, aus einer Gondel des Riesenrads, sah die Stadt beinahe freundlich aus. Für einen Moment vergaß man Werkstätten und Triebwerke. Für einen Moment hätte die Reparatur ruhig noch ein paar Tage dauern dürfen.
Als sie hörten, dass es einen Zoo gab, wollten sie auch dorthin. Man reist nicht bis zum Mars, um dann nur die Werkstätten zu sehen. Das Eingangsportal war monumental, die Luft flirrte und auf den Säulen standen zwei merkwürdige Kreaturen, Urrgs, wie sich später herausstellte. Wesen, die aussahen, als könnten sie mit dem Boden verwachsen, wenn sie nur wollten. Vielleicht taten sie es sogar.
Die Gruppe begegnete den Urrg´s mit der gleichen Mischung aus Neugier und Respekt, mit der sie zuvor die Ringe des Saturn betrachtet hatte. Man war schließlich nicht mehr zwanzig. Man hatte gelernt, dass das Fremde nicht immer laut ist. Manchmal steht es einfach nur da und atmet.
Und dann, eines Abends, war das Raumschiff wieder bereit.
Der Mars blieb zurück, rot und staubig, mit seinen Werkstätten und Lichtern und merkwürdigen Zoos. Der Captain sagte wenig, als sie abhoben. Vielleicht dachte er an andere Umwege, andere Reparaturen in anderen Zeiten. Vielleicht dachte er auch nur an die nächste Etappe. Bevor es endgültig zurück zur Erde ging, legte das Schiff noch einmal auf dem Mond an. Dort, wo die Reise begonnen hatte.
Das Restaurant lag ruhig in der kargen Landschaft. Ein flacher Bau aus rotem Backstein, warmes Licht hinter Glas. Kein Monument, kein Tempel – eher ein Versprechen auf gutes Essen, Gespräche und ein Glas Wein. Über ihnen spannte sich die Milchstraße wie eine Erinnerung an alles, was gewesen war. Im Glas spiegelte sich, kaum merklich, die Erde.
Die Wanderer standen einen Moment lang still vor dem Gebäude. Nicht ehrfürchtig. Nicht sentimental. Am Abend saßen sie zusammen. Man sprach über die Ringe des Saturn, über den beinahe-Unfall, über den Bus, der in jedem Vorort hielt. Jemand behauptete, der Zoo sei das eigentliche Highlight gewesen. Jemand anderes widersprach. Man lachte. Selbst der Captain lächelte.
Am nächsten Morgen würde es heimgehen. Zur Erde.
Und vielleicht war die Rückreise am Ende das größere Abenteuer gewesen. Nicht wegen der Gefahr. Nicht wegen der roten Werkstätten oder der fremden Tiere. Sondern weil sie gezeigt hatte, dass selbst ein Umweg durch Staub und Dunkelheit noch Raum für Neugier ließ.
Man kann viel sehen auf einer Reise. Aber entscheidend ist, was man danach anders betrachtet. Die Erde würde bald wieder unter ihnen liegen. Und sie würden zurückkehren, ein wenig staubiger, ein wenig leiser, aber mit Geschichten, die selbst drei Wochen auf dem Saturn nicht hätten erfinden können.
SATURN TREK II + die Geschichte des Urrg
Bildserie & Text: Chr. Moschner
Bilder erstellt mit KI-Unterstützung (DALL·E), Text und Prompt-Erstellung mit KI-Assistenz (ChatGPT)
SATURN TREK II
(die ungewöhnliche Reise in 6 kleinen Videos)
