Bilder vom Schwarzwald 

 

Das Buch

Und es begab sich zu dieser Zeit vor Weihnachten dass wir in diesem Wäschegeschäft waren, in dem der Buchausverkauf aus Archivbeständen stattfand. 

Dort lag es, das Buch. „Bilder aus dem Schwarzwald“ von 1894. Ungefähr 0,4 x 0,3 m groß und mindestens 5 Kg schwer. Äußerlich nicht mehr in ganz gutem Zustand. Innen die Fotos. Diese 18 Folio-Bilder in Photograph-Kupferdruck sind nach der langen Zeit (126 Jahre) immer noch in hervorragender Qualität. Mir wurde erlaubt das Buch auszuleihen um die Bilder zu digitalisieren. Zum Kauf (gegen eine Spende) war mir das Buch zu schade. Es würde wegen seiner großen Ausmaße eh im Keller landen. Also habe ich trotzdem gespendet und das Buch zurück gebracht. Vielleicht erfreut es noch jemand anderen.

 

Die digitalisierten Fotos zeige ich auf der Folgeseite. Das Urheberrecht des Künstlers bleibt dabei gewahrt. Alle Fotos sind entsprechend gekennzeichnet. 

 

Es ist schon interessant zu sehen, wie der Schwarzwald vor 120 Jahren aussah. Vieles was heute total überlaufen ist hatte damals noch diese "Schwarzwald-Romantik" (die ja eigentlich erst später erfunden wurde). Es lohnt sich auch das Gedicht "zum Geleit" von Robert Haass zu lesen. Dabei geht es, wie sollte es anders sein, um den Vater Rhein, den Schwarzwald, das Wandern und um Weihnachten.

 

 

 

Zum Geleit

 

Wo der Rhein in weitem Bogen um das alte Zehntland fliesst,

Steht ein Jugendfreund am Wege, den er in die Arme schliesst;

Schwarzwald heisst der Weggeselle, dunkelhaarig, still von Art,

Und ein gutes Stück zusammen rauschen Beide, treugepaart.

 

Zu dem grünen Eck des Stromes hebt, ihr Grüße, euch bergan!

Vater Rhein! auch andern Leuten hat´s der Dunkle angethan!

Wer im Bannkreis diese Berge einmal recht gewandert ist,

Den erfasst ihr starker Zauber, dass er nimmer sie vergisst.

 

Und es zieht ein Hauch von Tannen durch sein Herz für alle Zeit,

Wie ein stilles Heimgedenken giebt der Harzduft ihm Geleit,

Und des Hochwald wogend Brausen und der Bergwelt Sonnenschein

Folgen ihm in alle Ferne bis in seinen Traum hinein.

 

Reich der Tannen, Land der Quellen! Daunauwiege! Rheinesmark!

Mit den dunklen Bergseeaugen, mit dem Nacken felsenstark,

Mit den tiefzerriss´nen Thälern, mit den weiten freien Höh´n,

Mit den weissen Wasserstürzen, mit der Matten Herdgetön!

 

Freundlich schmiegen sich die Dörflein, blinkt vom Berg das Schindeldach,

Und die schmucken Städte glänzen, und es mahlt und sägt der Bach,

Aus Ruinen schaut die Sage träumerisch von steiler Wand,

Fern im Forste klingt der Axtschlag, Abendroth fliesst übers Land.

 

Heil dir immergrünes Hochland! Starrst du jetzt auch tiefverschneit,

Hat mit Wundern doch umwoben dich die heil´ge Weihnachtszeit;

Heimlich klingt es durch des Tannwald´s glitzernd eisverbrämte Pracht

Und aus tausend kleinen Fenstern strahlt es in die Winternacht,

 

Unter schneebedecktem Strohdach, hoch am Berg und tief im Thal,

Ist der Christbaum angezündet, als der Sonnwendnach Fanal,

Tausend kleine Alemannen jubeln in den Glanz hinein,

Der des Schwarzwald´s jungen Tannen hell entströmt, wie Heil´genschein.

 

Wer in sommerlichen Tagen einst gewandert durch das Land,

Nimmt an stillem Winterabend diese Blätter gern zur Hand,

Und das Schifflein der Erinn´rung hisst die Segel und wird flott,

Aus den braunen Sonnenbildern rauscht der Schwarzwald sein „Grüssgott“

 

Karlsruhe im Dezember 1893

 

Robert Haass

1894

1894 war das Jahr, in dem Johann Strauss jun. die Sonnenblume komponierte, Kaiser Wilhelm II. Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zum Reichskanzler beruft und das Reichstagsgebäude in Berlin eröffnet wird. Das kaiserliche Patentamt trägt das erste Patent ein, die Barmer Bergbahn wird als erste zweispurige Zahnradbahn in Deutschland in Betrieb genommen, in London wird die Tower-Bridge für den Verkehr freigegeben, der Karlsruher FC Phönix wird als Fußballverein gegründet und ist ältester Vorläufer des SC, John Ford und Heinrich Lübke wurden geboren, auf dem Champs-Elysees wird der erste Autosalon eröffnet und Friedrich I. von Baden war Großherzog in Baden. Scheffels Todestag jährte sich zum 8ten Mal.